Sachsen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Sachsen-Lese
Unser Leseangebot

Krabat

Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meisetr und Schüler kommen.

Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum

Hans-Joachim Böttcher

O. J. Bierbaum 1902
O. J. Bierbaum 1902

Es war am 1. Februar 1910, als der Schriftsteller, Journalist, Redakteur, Poet und Librettist Otto Julius Bierbaum mit knapp 45 Jahren in Dresden verstarb. Da dort sei Leichnam nicht verbrannt werden konnte, musste man diesen nach Chemnitz überführen, um ihn einzuäschern. Sodann wurde die Urne mit der Asche nach München gebracht, wo sie auf dem Waldfriedhof ihre letzte Ruhestädte fand. Bierbaum hätte sich bestimmt über die Reise seiner sterblichen Überreste amüsiert, genauso wie, dass manche Autoren in der Folge sein Ableben verwirrender Weise nach Kötzschenbroda verlegten. Das alles passte zu seinem vergangenem unsteten Leben.

Geboren wurde er am 28. Juni 1865 in Grünberg, in Schlesien. Hier betrieb sein Vater Otto Bierbaum als Zuckerbäcker eine Konditorei. Das allerdings offenbar mit wenig Geschick, so dass er insolvent ging. Die Familie zog es daraufhin vor die Stadt und das Land Preußen zu verlassen. Sie ging ins nahe gelegene Sachsen, nach Dresden. Vielleicht mit der Erziehung ihres Sohnes überfordert, gab Familie Bierbaum diesen mit acht Jahren in ein örtliches Internat, dem sogenannten Freimaurer-Institut, wo er auf das Gymnasium vorbereitet werden sollte. Danach schickten sie ihn, warum auch immer, auf das Königlich Sächsische Gymnasium nach Wurzen. Gegen Ende der Schulzeit, sich schon als Student fühlend und Mitschüler zu Trinkgelage verführend, drohte ihm eine Verweisung von der Schule. Da sein Vater inzwischen in Leipzig zum Gastwirt geworden war, holte dieser seinen Sohn Otto Julius nun dorthin. Hier schickten ihn seine Eltern, die streng protestantisch eingestellt waren, auf die Thomasschule; am 26. Januar 1885 legte er die Matura ab.

Wohl sofort danach meldete er sich als Einjährig-Freiwilliger zum Militärdienst, wodurch er sich die Einheit und damit deren Standort aussuchen konnte; das war natürlich nun Leipzig. Für dieses Privileg mussten allerdings seine Eltern das Opfer erbringen die beträchtlichen Kosten für seine militärische Einkleidung sowie Beköstigung zu übernehmen.

1886 zuerst ein Studium in Zürich aufnehmend, betrieb er dieses danach vorrangig in Leipzig, zeitweise aber auch in München sowie Berlin. Dabei handelte es sich um Philosophie, Jura und merkwürdiger Weise Sinologie. In Leipzig trat er 1887 dem Corps Thuringia bei; wie er später schrieb offenbar wegen deren schmucker Mützenfarbe. Das Leben in einer Studentenverbindung war nun Otto Julius seine ganze Leidenschaft; das verbreitete Klischee eines trinkfreudigen, verlotterten Studenten lebte er voll aus. In mehreren seiner späteren Veröffentlichungen, wie „Studentenbeichten“ (1893), „Die Schlangendame“ (1896), „Stilpe“ (1897), „Prinz Kuckuck“ (3 Bände 1906-1908) und anderen fügte er sehr viel Autobiografisches ein. Die Zeit als Verbindungsstudent war eben für ihn die glücklichste Zeit seines Lebens gewesen.

Aus Goldnot, aber auch aufkommender persönlicher Leidenschaft zum Schreiben, begann Otto Julius Bierbaum1887 Rezensionen und Feuilletons für verschiedene Zeitungen zu verfassen. 1889 musste ersein Studium aufgeben, da sein Vater mit seiner Gaststätte, die schon lange nicht gut lief, in Konkurs ging.

Das zwang Otto Julius sein geliebtes Studentenleben aufzugeben und nach München umzusiedeln, wo er als örtlicher Korrespondent des Berliner „Börsen-Courier“ tätig wurde. In der Folge war er einer der Mitbegründer der „Gesellschaft für modernes Leben“, für deren Publikation „Moderne Blätter“ er eifrig unzählige Beiträge verfasste. Auch wurde er Mitarbeiter der naturalistischen Zeitschrift „Die Gesellschaft“. Davon offenbar nicht leben können und zudem nun seine Eltern finanziell unterstützen, gründete Bierbaum 1891 seine erste eigene literarische Zeitschrift; „Modernes Leben“. Im gleichen Jahr wurde er zudem Herausgeber des „Modernen Musen-Almanach“. Darin kamen insbesondere junge, bürgerlich-oppositionelle Autoren zu Wort.

1893 zog Bierbaum nach Berlin. Er übernahm die Redaktion der „Die freie Bühne“, nannte sie um, was dem Verleger nicht passte, so dass er nach vier Monaten wieder entlassen wurde. 1894 brachte er mit mehreren anderen Gleichgesinnten die avantgardistische Kunstzeitschrift „Pan“ heraus. Über Gestaltungsfragen mit dem Vorstand in Konflikt geratend, schloss dieser Bierbaum allerdings bald aus der Redaktion aus; er stand also wieder ohne Festanstellung da. Geldbedarf, aber auch sein

Drang zum Boheme-Leben veranlassten ihn daraufhin eine Kabarettbühne mit dem „reisendem literarischen Tingel-Tangel“ zu gründen.Andere Engagements in dieser Richtung folgten.

Martin Möbius
Martin Möbius

Bei seinem ersten Arbeitsaufenthalt in München hatte Bierbaum, um intensiv arbeiten zu können und nicht den Verlockungen Münchens ausgesetzt zu sein, bald sein Quartier in Dießen am Ammersee genommen. Dort machte er die Bekanntschaft der lebenslustigen Gusti Rathgeber. Mit ihr zu seiner Mutter Henriette reisend, warf diese, die junge Frau richtig einschätzend, nach einem heftigen Krach aus der Wohnung. Otto Julius ließ sich nicht beirren und heiratete „Gu“ trotzdem. Um in Berlin dem einerseits beruflich anstrengenden, andererseits ausschweifendem Leben, das ihm ein Nervenleiden eingebracht hatte zu entfliehen zog er mit Gusti1895 zeitweise ins österreichische Eppan, wo er im Schloss Englar einige Räume mietete. Hier eine Oper verfassend, „Die vernarrte Prinzessin“, erklärte sich der ihm bekannte Musiker, O. Fried, bereit diese zu vertonen. Dabei kamen dieser und Bierbaums Frau sich immer näher, was deren völlig überarbeiteter und ansonsten im Alkoholrausch lebende Mann nicht mitbekam. Von seiner Guließ er sich überreden aus dem einsamen, ruhigen Bergschloss zur Erholung seiner Nerven zu einer Kur zu reisen. Als er nach Wochen wiederkam, waren seine Frau und ihr Liebhaber verschwunden. Die Folge war, dass Bierbaum neben seinen Alkoholproblemen nun auch noch Depressionen bekam und wieder zur Kur musste.

Gemma Pruneti-Lotti
Gemma Pruneti-Lotti

Schließlich erhielt er 1897 eine Festanstellung in München beim „Simplicissimus“. Den Namen dieses Blattes führte er im Übrigen bei verschiedenen Veröffentlichungen als Pseudonym, wie zuvor schon „Martin Möbius“. 1899 war Bierbaum einer der Mitbegründer der Zeitschrift „Die Insel“, aus welcher sodann der späterhin berühmte Insel-Verlag hervor ging. Verschiedenen Arbeiten in Berlin und München nachgehend und eifrig Bücher schreibend, übernahm er kurze Zeit auch in ersterer Stadt ein Theater und in der zweiten ein Kabarett. Das Leben eines Bohemiens zog ihn eben immer an, ruinierten ihn allerdings auch in jeglicher Hinsicht.

Im Jahr 1901 lernte Bierbaum die attraktive Italienerin Gemma Pruneti-Lotti kennen. Nachdem seine Ehe im gleichen Jahr geschieden wurde, heiratete er sofort die erst 18 Jahre alte, äußerst lebenslustige Frau. Beide liebten sich abgöttisch, ihr bohemien‘nes Eheleben, sie lebten mehr nebenher als zusammen, wurde allgemein als Skandal betrachtet. Da Gemma oft Monate in ihrer Heimatstadt Fiesole bei Florenz verbrachte, blieb ihm in den folgenden Jahren oft nichts anderes übrigen, als ebenfalls dorthin zu reisen, um mit ihr zusammen zu sein. Bierbaum verdiente zu jener Zeit durch zunehmend obsessives Schreiben viel Geld, verbrauchte es allerdings auch meist sehr schnell durch sein exzentrisches Leben.

O. J. Bierbaum 1902 im Adler
O. J. Bierbaum 1902 im Adler


Es war 1902, als ihm der Berliner „Verlag August Scherl“ das neueste Auto-Modell der Firma Adler samt Fahrer für ein Reise nach Italien zur Verfügung stellte. Von Berlin führte die Fahrt über Prag, Wien, Tirol bis Neapel, mit einem Abstecher nach Sizilien und zurück durch die Schweiz bis Frankfurt am Main, der Heimat der Adlerwerke. Mit dem nur 865 cm³, 1 Zylinder und 8 Ps aufweisendemKleinwagen wurden erstmals der Brenner und Gotthardpass überquert, was eine internationale Sensation war. Fürzwei Zeitungen schrieb Bierbaum in Fortsetzungen über seine spektakuläre Fahrt, die erste eines Deutschen mit einem Auto nach Italien überhaupt und brachte 1903 sodann das Buch „Eine empfindsame Reise im Automobil“ heraus. Damit wurde er, mit noch einem weiteren Werk, zum deutschen Vorreiter der Autoreiseberichte. Bis heute wird das Buch verlegt und ist damit das erfolgreichste Werk Bierbaums.

Unter ständigem finanziellem Druck realisierte er in zunehmend manischer Weise, nachts arbeitend und tags schlafend,trotz zunehmender Verschlechterung seiner Gesundheit, die verschiedensten Literatur- und künstlerischen Projekte.

1909, er war schon schwer krank, zog sich Otto Julius Bierbaum in die Stadt seiner Kindheit zurück, nach Dresden, wo ihm nur noch wenig Lebenszeit blieb. Bei seinem Ableben im Februar 1910 wurde er als einer der „Stars“ der deutschsprachigen Literatur- und Theaterszene gewürdigt. Zur Ursache seines so frühenAblebens sagten die Einen, er habe sich totgesoffen, seine Freunde, er habe sich totgearbeitet. Otto Julius Bierbaum hinterließ ein reiches Werk, das durch sein exzentrisches, unruhiges Leben eine besondere Note erhielt, so dass er noch heute in der Welt der Literaturliebhaber, insbesondere aber auch der Verbindungsstudenten unvergessen ist.

Bilder: Gemeinfrei

- Bierbaum in mittleren Jahren

- mit Gemma im Adler auf Reisen

- Gemma 1902

- Otto Julius 1902

Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen