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Das Kräuterweib vom Hexenberg, Band 2

Bedeutung und Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen

Diese übersichliche kleine Broschüre vermittelt althergebrachtes Wissen um die Zubereitung und Wirkung hiesiger Kräuter und Heilpflanzen.

Wie schon im ersten Heft sind hier Tipps für die Herstellung eigener Hausmittelchen gegen allerhand Alltagszipperlein, wie Erkältungen, Husten, Rheumaschmerzen, Insektenstiche, Nervenleiden oder Hautprobleme gesammelt.

Karl May

Karl May

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Karl May 1907
Karl May 1907


„...Ca. 72 Zoll lang, schmächtig, blasse Gesichtsfarbe, dunkelbraune Haare, ohne Bart, bekleidet mit Rock, Weste und Hosen von braunem, gelblich schimmernden Stoff, blauseidener Schlips und umgeschlagener Hemdkragen...Brauner, spitzer Filzhut, Siegelring und knotigen Stock tragend..."
Mit diesem Steckbrief wird im Frühjahr 1869 in Sachsen ein „Polizeihauptmann von Wolmersdorf" gesucht. Dieser hatte in Wiederau den Krämer und Gastwirt Reimann aufgefordert, ihm sein Geld zu zeigen, weil angeblich der Verdacht bestand, Reimann gehöre einer Bande von Falschmünzern an. Der „Polizeihauptmann" gab vor, das Geld konfiszieren zu müssen. Er steckte den 10-Thalerschein, einige Silberthaler und eine silberne Uhr in seine Taschen, weil die angeblich gestohlen war. Den Geprellten ließ er in einem Gasthof auf das angebliche Verhör lange warten, um Zeit zu gewinnen und sich davon zu machen.
Dabei war der falsche „Polizeileutnant" mit dem richtigen Namen Karl May gerade erst „in Folge Allerhöchster Gnade" aus dem Arbeitshaus Schloss Osterstein in Zwickau entlassen worden. Er war also kein unbeschriebenes Blatt. Was war geschehen?

Karl Mays Geburtshaus
Karl Mays Geburtshaus
Karl May, eigentlich Carl Friedrich May, wurde am 25. Februar 1842 in Ernstthal (Sachsen) in eine arme Weber-Familie hinein geboren. 9 seiner 13 Geschwister sterben in frühester Kindheit. Er wird als begabtes und phantasievolles Kind besonders gefördert und schafft es, ab 1856 am Lehrerseminar in Waldenburg zu studieren. 1859 unterschlägt er sechs Kerzen und wird ausgeschlossen. Durch einen Gnadenerlass kann er am Lehrerseminar in Plauen weiter studieren. Seinen Beruf als Lehrer übt er nur wenige Wochen aus. Wegen des Diebstahls einer Taschenuhr sitzt er sechs Wochen Haftstrafe ab und wird als Lehramtskandidat gestrichen. Danach versucht er sich durch Gelegenheitsarbeiten, u. a. schrieb er schon Erzählungen, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, wird aber nach zwei Jahren wieder straffällig. Diebstahl, Betrug und Hochstapelei wird ihm vorgeworfen. So hatte er sich in Leipzig auf dem Brühl unter falschen Namen einen Pelzmantel erschlichen, den er im Leihhaus für 10 Taler versetzte. Er wird zu vier Jahren Arbeitshaus verurteilt, die er in Zwickau absitzt. Hier konnte er als Verwalter der Anstaltsbibliothek arbeiten und viel lesen. Reiseliteratur gehörte zum bevorzugten Lesestoff. Nachweislich legte er hier eine Liste an, zu welchen Titeln und Sujets er später schreiben wollte. Bald nach seiner Entlassung begegnet er uns 1869 als Krimineller wieder und wird mit dem besagten Steckbrief gesucht. Teils hielt er sich wie weiland Karl Stülpner in Höhlen versteckt auf, eine kann man heute wieder besichtigen, teils zog er sich nach Böhmen unter falscher Identität zurück. Doch 1870 wird er gefasst und wandert für vier Jahre in Haft, diesmal in das Zuchthaus Waldheim. Hier begegnet er dem Anstaltskatecheten Johannes Kochta, der muss wohl ein guter Psychologe gewesen sein, denn er kann eine innere Wandlung des Delinquenten auslösen.
Gesammelte Reiseerzählungen, Band 23 von 1897
Gesammelte Reiseerzählungen, Band 23 von 1897
Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus lebt Karl May bei seinen Eltern und beginnt zu schreiben. Schon 1874 wird die Erzählung „Die Rose von Ernstthal" veröffentlicht. Der Dresdner Verleger H. G. Münchmeyer stellt ihn als Redakteur ein, und fortan ist der Lebensunterhalt legal gesichert. May wechselt noch mal als Redakteur den Verlag, ab 1878 ist er als freier Schriftsteller tätig und zieht nach Dresden. 1880 heiratet er Emma Pollmer. Nach anfänglichen materiellen Schwierigkeiten erhält er von der angesehenen katholischen Wochenzeitung „Deutscher Hausschatz" den Vertrag, alle seine Erzählungen als Erstveröffentlichungen anzubieten. Aber er schreibt auch für andere Zeitschriften, teils unter Pseudonym, und er schreibt die ersten Kolportageromane. Ab 1888 lebt er in Kötzschenbroda. Der eigentliche Durchbruch als Schriftsteller gelingt ihm mit dem jungen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld, der die Hausschatz-Erzählungen 1891 in Buchform herausbringt, ab 1892 die Reihe Carl May`s Gesammelte Reiseromane. Ab 1896 werden Carl May`s Gesammelte Reiseerzählungen veröffentlicht, darunter der Romanzyklus „Durch die Wüste". Die Romane spielen meist im Nordwesten der USA oder im Vorderen Orient. Und nun erlangt May hervorragende finanzielle Sicherheit, und er wird berühmt. 1893 - 1910 werden die vier Teile des Romans „Winnetou" herausgebracht. 1895 zieht er in die Villa Shatterhand nach Alt-Radebeul, die bis heute als Karl-May-Museum genutzt wird.
1896 lässt sich Karl May Visitenkarten drucken: „Dr. Karl May, genannt Old Shatterhand/Radebeul/Villa Shatterhand." Im Verlagsprospekt erscheint sein Foto mit dem Text: „Old Shatterhand (Dr. Karl May) mit Winnetou`s Silberbüchse." Er ließ sich von einem Büchsenmacher aus Kötzschenbroda die später legendären Gewehre seiner Helden anfertigen, den „Bärentöter" und die „Silberbüchse", später den „Henrystutzen". In der Beantwortung der unzähligen Fan-Post gibt er die Erlebnisse von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsis als seine eigenen aus. Er selbst hatte Realität und Fiktion so sehr verwoben, dass er beides in seiner Traumwelt nicht mehr unterscheiden konnte. Karl May verstieg sich vollends in die „Old- Shatterhand-Legende".
Winnetou IV, Cover von Sascha Schneider 1910
Winnetou IV, Cover von Sascha Schneider 1910
Seine erste große Reise führte ihn 1899-1900 tatsächlich in den Orient, in seinen Büchern hatte er „seine" Erlebnisse sehr anschaulich bereits 1892-1896 geschildert. 1899 beginnen die heftigen Angriffe auf Karl May in der Presse. Seine Selbstreklame und die damit verwobene Old -Shatterhand -Legende stehen im Zentrum der Kritik. Später werden ihm seine Vorstrafen vorgeworfen. Mehrere Gerichtsverfahren wegen unerlaubter Buchveröffentlichungen ziehen sich durch seine letzten Jahre und belasten ihn sehr. 1903 lässt er sich von seiner 1. Frau scheiden und heiratet umgehend Klara Plöhn, die ihn als Schriftsteller sehr unterstützte. 1902 verlieh die Universitas Germana -Americana in Chicago Karl May den Doktor honoris causa (Dr. h. c.) für sein Werk „Im Reiche des Silbernen Löwen". 1908 veröffentlicht der Journalist Rudolf Lebius, der große Gegenspieler, die Broschüre „Karl May - ein Verderber der deutschen Jugend". Im gleichen Jahr reiste May mit seiner Frau zum ersten Mal sechs Wochen nach Amerika. Diese Reise war für ihn Inspiration für sein literarisch belangvollstes Werk „Winnetou IV" (1910). Sein erfolgreichstes Buch war aber „Der Schatz im Silbersee" (1890/91), das mehrfach verfilmt wurde, 1962 mit Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Winnetou. In den letzten Jahren schreibt May symbolische Romane mit weltanschaulich-religiösen Inhalten und pazifistischen Tendenzen, erzielt aber damit wenig Wirkung.
May-Grabmal auf dem Friedhof Radebeul-Ost
May-Grabmal auf dem Friedhof Radebeul-Ost

Am 30 März 1912 stirbt Karl May in Dresden. Die Todesursache ist in den Quellen umstritten.Häufig wird Herzschlag angegeben.
Karl May gibt in seinem Testament eine Antwort auf die ständigen Attacken seiner Gegner: Er setzt seine zweite Ehefrau Klara als Universalerbin ein mit der Bedingung, dass der gesamte Besitz und weitere Einkünfte seiner Werke nach ihrem Tod einer Stiftung vermacht werden, die mittellose begabte Menschen für die Ausbildung nutzen und in Not geratene Schriftsteller, Journalisten und Radakteure unterstützen sollen. Der gesamte Nachlass fiel an die Karl-May-Stiftung mit dem Auftrag, die Liegenschaften, Sammlungen und die Villa Old Shatterhand auszubauen und das Grab zu pflegen. Am 1. Dezember 1928 wurde in der „Villa Bärenfettt" das Karl-May-Museum eröffnet, das 1985 mit der „Villa Old Shatterhand" erweitert wird. Der Grundstock wurde von Karl May selbst gestiftet, von seiner Frau Klara ergänzt und von Patty Frank (eigentlich Ernst Tobis) vervollständigt. Daraus ist ein attraktives und sehenswertes Museum geworden. Im zweiten großen Museum, in Hohenstein - Ernstthal, kann man sich dem Menschen Karl Mai nähern. Daneben gibt es viele Vereine in Deutschland und im Ausland, ebenso wie verschiedene Karl-May-Feste.

Karl May als Old Shatterhand
Karl May als Old Shatterhand
Karl May war mit seinen Kolportagen- und Abenteuerromanen in Deutschland der erfolgreichste Autor von Trivialliteratur im 19. Jahrhundert. Seine Bücher wurden in 40 Sprachen übersetzt und erreichten die sagenhafte Auflage von über 200 Millionen Bücher, davon 100 Millionen in Deutschland. In den 1960er Jahren kamen interessante Verfilmungen dazu und in den 1970er die Comics. Beides kennen auch die Kinder der Harry-Potter-Generation, aber die Lesewut der jungen Generation, wie sie sich noch in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts an Karl May ausgetobt hat, ist abgeflaut. Weiter erschienen Hörbücher und Bühnenadaptionen seiner Romane und Romane anderer Schriftsteller über Karl May. Die Sekundärliteratur ist kaum überschaubar.

Howgh, Old Shatterhand, mögest Du in den ewigen Jagdgründen des großen Manitu in Frieden ruhen!

 

Quellen:
Kisch, Egon Erwin: Prager Pitaval, Berlin 1931
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MayKarl/
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_May
http://www.karl-may-museum.de/
http://www.karl-may-stiftung.de/

Alle Bilder sind dem Wikipedia-Artikel zu Karl May entnommen, alle Bilder sind gemeinfrei.

 

 

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von Dipl.-Päd. Ursula Brekle
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