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 Ein geheimnisvolles Grab im Dom zu Meißen

Ein geheimnisvolles Grab im Dom zu Meißen

Hans-Joachim Böttcher

Die Albrechtsburg zu Meißen
Die Albrechtsburg zu Meißen

Einzigartig malerisch wird die Stadt Meißen von dem Burgberg mit der Albrechtsburg und dem benachbart stehenden Dom überragt. Seit Beginn des 15. Jahrhundert wurde dieses bedeutende Bauwerk von den Wettinern als Grablege genutzt. Allein in der Fürstenkapelle sowie der damit verbundenen Georgskapelle befinden sich 14 Gräber dieser sächsischen Herrscherdynastie. Mit der Einführung der Reformation in Sachsen erkor diese von da ab den Dom in Freiberg zum Bestattungsort. Nur einmal kam es danach noch zu einer Beisetzung einer Wettinerin in Meißen.

Abseits von den mit prächtigen Grabplatten geschmückten Grablegungen, gleich am rechten Portalpfeiler, wenn man aus der Kirche in die Fürstenkapelle kommt, steht manchmal ein einsamer Blumenstrauß. Hier befindet sich das Grab der 1577 verschiedenen Anna Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen, ehemals verehelichte Prinzessin von Oranien Gräfin von Nassau-Dillenburg. Eine Kennzeichnung dieser Grablegung sucht man bis heute vergeblich; nur wenigen Interessierten ist sie darum bekannt

Geboren wurde die hier Beigesetzte am 23. Dezember 1544 als Tochter des sächsischen Herzogs und späteren Kurfürsten Moritz und der Agnes von Hessen in Dresden. Durch den Tod ihres Vaters 1553, mit ziemlicher Sicherheit durch Mord und 1555 dem ihrer Mutter stand das Mädchen mit 11 Jahren als Vollwaise da. In der Folge zog man die Prinzessin sehr lieblos am Hof ihres Onkels Kurfürst August und seiner Gemahlin Anna von Dänemark auf.

Wilhelm von Oranien, Graf von Nassau-ca. 1555.Porträt von Anthonis Mor (1519-1575).
Wilhelm von Oranien, Graf von Nassau-ca. 1555.Porträt von Anthonis Mor (1519-1575).

Zumindest von ihrer Seite ging das junge Mädchen mit Wilhelm Prinz von Oranien Graf von Nassau-Dillenburg, Statthalter in den Niederlanden, eine Liebesehe ein. Auf Grund beider schwieriger Charaktere, daraus resultierenden menschlich problematischen Verhaltens sowie religiös-politischen und ökonomischen Zwängen entwickelte sich die Ehe zu einem Fiasko. Um sich von seiner Gemahlin trennen zu können, ließ der Prinz sie des Ehebruchs beschuldigen. Anna kam daraufhin in einen zunehmend verschärften Hausarrest in Nassau und zuletzt Sachsen. Ihr bisheriges schon trauriges Leben entwickelte sich dadurch zu einer wahren Tragödie. Körperlich schwer erkrankt und geistig gestört verstarb Prinzessin Anna am 18. Dezember 1577 schließlich unter unmenschlichen Bedingungen, angewiesen wohl hauptsächlich von ihrer Tante, im Residenzschloss zu Dresden.

Für die Beisetzung der fast zeitlebens so unglücklichen Anna wies ihr Onkel August eigenartiger Weise an, einen doch zumindest minimalen Aufwand zu betreiben. Der war aber garantiert nicht als Ehrung für sie gedacht, sondern als allgemeine Huldigung der Wettiner. Anna im Freiberger Dom neben dem prächtigen Grabdenkmal ihres Vaters Kurfürst Moritz beizusetzen, das ihm August 1563 errichten ließ, dafür hielt er Anna offensichtlich nicht für würdig genug. Er ließ dagegen Annas Leiche sofort nach ihrem Tod nach Meißen schaffen. Dort wurde diese am jenseitigen Elbufer vor der Brücke vom Adel der Stadt sowie der Bürgerschaft empfangen. Unter dem Geläut aller Glocken brachte man sie in den Dom auf dem Burgberg. Die Nacht über stand eine Ehrenwache an dem schlichten Sarg. Am nächsten Morgen, dem 20. Dezember, erfolgte die Beisetzung sodann ohne jeglichen Aufwand in der Fürstenkapelle. Hier fand nun Prinzessin Anna neben vielen älteren Vorfahren und Verwandten aus dem Geschlecht der Wettiner den Frieden, den sie im Leben nicht finden konnte.

Anna Prinzessin von Sachsen. Porträt von Jaques Le Boucq (1520-1573).
Anna Prinzessin von Sachsen. Porträt von Jaques Le Boucq (1520-1573).

 

Über die Jahrhunderte spielten sich unzählige traurige Frauenschicksale in vielen Herrscherfamilien ab; das der Anna Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen stellte also kein Einzelschicksal dar. Dennoch war das ihrige, als „die ellendste und unglückseligste under andern je geborenen fürstlichen Kindern...", von besonderer Tragik und Dramatik. Das insbesondere dadurch, da es ein dunkles Kapitel des Umganges mit einer unliebsamen Prinzessin durch ihre naheste sächsische und hessische Blutsverwandtschaft war.

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Über die Entwicklung dieses tragischen Frauenschicksals, verfasste der Autor Hans-Joachim Böttcher die Biografie „Anna Prinzessin von Sachsen (1544-1577)". Diese wird im November 2013, vom Dresdner Buchverlag herausgebracht, im Handel erscheinen.

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