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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Robert Schumann

Robert Schumann "in seiner Neuerungssucht"

Der Beginn von Robert Schumann's Lied "Zwielicht" (Liederkreis op. 39).
Der Beginn von Robert Schumann's Lied "Zwielicht" (Liederkreis op. 39).

 

In der renommierten ungarischen Musikzeitschrift Zeneszeti Lapok* erschien 1862 unter dem Kürzel B. K. F. folgende Kritik - Zitat:

. . . ln diese Flaute der Musik wieder Seele zu hauchen, waren hauptsächlich zwei Personen berufen! Beide waren Talente, in beiden loderte die Fackel der Kunst, und doch gingen beide in verschiedene Richtungen.

Der erstere genoß schon in seiner frühesten Jugend ausgezeichnete Erziehung, wuchs am Herd der Kunst auf, war mit reinem und edlem Geschmack gesegnet, empfänglich für alles Schöne, seine Werke krönte großer Erfolg, und zwar ohne dass er die Richtung der Musikentwicklung seines Zeitalters außer Acht und die von alters her gültigen Prinzipien im Stich gelassen hätte.

Der andere war ebenfalls ein schöpferisches Gemüt, durchdrungen von der hohen Aufgabe. der Kunst, aber er vergrößerte den Inhalt seiner Werke auf Kosten der Verständlichkeit, verletzte in seiner Neuerungssucht oft die Prinzipien der Musik, trachtete danach, seine träumerischen Phantasien hinter einem dichten Schleier zu verbergen, und dieser Umstand verursachte, dass manche Stellen seiner Werke auch heute noch unverständlich sind.

Leser, die jene Zeit kennen, werden wissen, wer diese zwei Personen sind!

Mendelssohn und Schumann, die sich bis zum Tode des ersteren, so sehr auch ihre Richtungen verschieden waren, im schönsten Einverständis betätigten.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass Schumanns Bemühung, in seinen Werken um jeden Preis etwas Neues zu schaffen, auf Rechnung der künstlerischen Notwendigkeit geschah, deshalb entbehren wir in seinen Kompositionen jene Reinheit der Kunst, die die Hauptbedingung des gemeinen Verständnisses und Genusses ist.

 

* [übersetzt Musikalische Blätter]

Quelle: http://fidelio.hu/zeneszetilapok/view.asp?p=l_1862.jpg

 

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