Sachsen-Lese

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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Christian Fürchtegott Gellert - Meister der Fabel

Christian Fürchtegott Gellert - Meister der Fabel

Dr. Marianne Fritz

Gellert. Gemälde von Graff
Gellert. Gemälde von Graff

Gellerts Vater, Christian Gellert, war Pastor in Hainichen in Sachsen als am 4. Juli 1715 sein Sohn Christian Fürchtegott geboren wurde.

Die Eltern taten alles, damit sich die Ansprüche an Christian Fürchtegott, dem fünften Sohn von insgesamt 13 Kindern, erfüllten: Frömmigkeit, Bescheidenheit, Wissen und Bildung, Freude an Tugend und Poesie, das waren Werte, die die Eltern ihrem Sohn angedeihen ließen.
Nach dem Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen schrieb sich Gellert 1734 an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig ein. Er hörte neben den Vorlesungen in seinem Fach Philosophie bei A.F. Hofmann, Geschichte und klassische Philologie bei Ch. Jocher, Literatur bei Johann Christoph Gottsched. Aus Geldmangel musste er die Universität verlassen und ging 1738 als Hofmeister nach Dresden. Ende 1740 kehrte er nach Leipzig zurück und fühlte sich hier erst richtig wohl:

„Ich erinnere mich, bey dem Anblicke dieser geliebten Stadt, daß mich Gott, wenn es ihm gefiele, mein Leben an diesem Ort hinbringen lassen möchte."

Buchtitel der Erstausgabe 1746
Buchtitel der Erstausgabe 1746
Er half Professor Gottsched beim Übersetzen von Pierre Bayles „Dictionnaire", arbeitete als Privatlehrer und schrieb Gelegenheitsgedichte für zahlende Leipziger. Erst als er 1751 mit einer außerordentlichen Professur für seine erfolgreichen Vorlesungen zu philosophischen Themen an der Universität belohnt wurde, besserte sich seine soziale Lage. Gellert wohnte nun im „Schwarzen Brett"(Goethestraße 4), wo er Vorlesungen, die der Aufklärung verpflichtet waren, hielt. Diese Vorlesungen hatten großen Zulauf. Bald wurde die Wohnung des unverheirateten Professors der Poesie, Beredsamkeit und Moral für mehr als 400 Studenten zu klein, ein Hörsaal wurde bereitgestellt. Goethe, auch ein Schüler, schrieb über Gellert: „Die Verehrung und Liebe, welche Gellert von allen jungen Leuten genoß, war außerordentlich."Als Schriftsteller gehörte er zum Kreis der „Bremer Beiträger" und korrespondierte lebhaft mit den Vertretern dieser Gruppe. Nicht nur bei ihnen, sondern in ganz Deutschland erfreute sich Gellert größter Beliebtheit. Die Stütze seiner Popularität waren seine Fabeln und geistlichen Lieder. Gellerts „Fabeln und Erzählungen" waren eines der am meisten gelesenen Bücher des 18. Jahrhunderts. Sie wurden immer wieder neu aufgelegt und in fast alle Kultursprachen übersetzt. Sie avancierten zu einem Hausbuch, das auch von denen gelesen und verstanden wurde, die sonst kein Buch in die Hand nahmen.

 

Gellert-Denkmal in Leipzig
Gellert-Denkmal in Leipzig
Der Siebenjährige Krieg verheerte ganz Sachsen und verschonte auch Leipzig nicht.
Gellert beklagte den Krieg und das Elend. Er schrieb im Mitgefühl für die Opfer nach der Roßbacher Schlacht: „ ... ich konnte nicht beten, nicht weinen."

Am 11. Dezember 1760 wurde der berühmte Dichter zum König Friedrich II. in das „Königshaus" am Leipziger Markt gebracht. Aus dem Dialog zwischen beiden, der in einem Brief von Gellert an eine Freundin übermittelt wird, nachstehend zwei berühmte Zitate: Der König fragte: "Sind jetzt böse Zeiten?" Ich: „ Wenn ich König wäre, so hätten die Deutschen bald Frieden... Geben Sie uns nur Frieden, Sire!" ...Der König: „Hat er den Lafontaine nachgeahmt?" Ich: „Nein, Sire, ich bin ein Original..."

Am 13. Dezember 1769 starb Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig.
Von seinem Biographen J. A. Cramer erfahren wir, wie erschütternd sein Tod von den Leipzigern aufgenommen wurde:

„Die Betrübniß, welche sich mit dem anbrechenden Tage durch die Nachricht von seinem Tode in der ganzen Stadt verbreitete, war so allgemein und so groß, daß sie kaum mit Worten beschrieben werden kann...Mehr und aufrichtigere Thränen sind vielleicht auf kein Grab geflossen als auf das seinige."

Heute finden wir seine Grabstätte auf dem Leipziger Südfriedhof, Abteilung I. Noch immer wird sein Grab von Besuchern stets mit frischen Blumen geschmückt.
Eine Kopie des Denkmales für Gellert, entworfen vom Maler und Bildhauer Adam Friedrich Oeser, steht heute in den Lenné - Anlagen, hinter der Moritzbastei.

 

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