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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Der Berggeist am Donat zu Freiberg

Der Berggeist am Donat zu Freiberg

Bergmann, der auf dem Leder einfährt.
Bergmann, der auf dem Leder einfährt.

Auf dem Donat Spath, im Bereiche der Elisabethen Fundgrube zu Freiberg, sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen Hans in Stein gehauen und deutet ihn als das Erinnerungszeichen an einen hier verunglückten Bergmann dieses Namens. Die Sage erzählt darüber folgendes.

Es hat einmal am Donat ein armer Bergmann, namens Hans, gearbeitet, der so in Dürftigkeit schmachtete, dass er oft in der Grube mit Tränen laut über seine Not jammerte. Da zerteilte sich einmal plötzlich der Felsen und aus dem steinernen Tore trat ein kleines Männchen hervor. Das war der Berggeist. Der sprach zu ihm: »Hans, ich will Dir helfen, aber Du musst mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot und ein Pfenniglicht geben und keinem Menschen etwas davon sagen.« Hans erschrak zwar, allein da er sah, daß derselbe guter Laune sei, so versprach er alles. Der Berggeist verschwand und ließ ihm viel Silber zurück, Hans aber hatte nun immer Überfluss an Geld, ließ tüchtig aufgehen, hütete sich aber wohl, irgend jemandem etwas von seiner Geldquelle zu sagen. Da kam das Stollnbier, an welchem die Bergleute gewöhnlich etwas über die Schnur zu hauen pflegen. Dies tat leider auch Hans, und nicht lange dauerte es, so war er schwarz, vergaß sein dem Berggeist gegebenes Versprechen und erzählte seinen Genossen, was ihm begegnet war. Am andern Tage, als er nüchtern geworden, erinnerte er sich freilich an sein Geschwätz, allein er konnte das Gesagte nicht wieder zurücknehmen und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war aber, den Knechten, welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben, allein dasselbe ließ an diesem Tage lange auf sich warten, man rief ihn zwar, aber es erfolgte keine Antwort. Plötzlich zuckte es am Seile, ein helles Licht erglänzte in der Tiefe, und die Haspelknechte, die freilich nicht wussten, was das zu bedeuten haben könne, drehten gleichwohl geschwind den Rundbaum und bald war der Kübel zu Tage gefördert. Allein statt des Erzes lag in demselben der Bergmann Hans tot mit blauem Gesicht wie ein Erwürgter, auf ihm das letzte Pfennigbrot, und rings um den Kübel brannten die Pfenniglichter, die er dem Berggeist geopfert hatte und die dieser jetzt samt dem toten Geber zurückgab.

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