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Kurt Wünsch

Wie ich Mitglied des Vereins zur Förderung der Vernunft wurde
Erzählungen

Geschichten und Bilder – natürlich hat Kurt Wünsch nicht selbst zum Pinsel gegriffen, sondern zwanzig hallesche Maler gebeten, eine Geschichte von ihm zu illustrieren. So entstand ganz nebenbei ein, natürlich vollkommen unvollständiges, Lexikon der halleschen bildenden Künstler. Von Wünschs erster Geschichte, 1958 in der Zeitung »Der Neue Weg« gedruckt, bis zu den Texten der unmittelbaren Gegenwart sammelt dieses Buch amüsante, skurrile und manchmal auch ein wenig surreale Geschichten, die sich genauso, also jedenfalls würde das ihr Verfasser stets behaupten, zugetragen haben.

Hotel Continental Chemnitz

Hotel Continental Chemnitz

Zufällig und unzufällig: tot

Wirt und Vater Schulze wollte seinen Sohn den Kellnerberuf von der Pike auf erlernen lassen, herrschaftlich im Chemnitzer ­Hotel Continental. Dort begann Otto Theodor Schulze Ostern 1917 seine Ausbildung: „Gabel links, Messer und Löffel rechts eindecken, jeweils 1 bis 2 Zentimeter von der Tischkante entfernt. Weingläser über die Messerspitze, Wasserglas rechts davon etwas nach unten …“ November 1918: Wie das Land ist auch der Hotelbetrieb aus den Fugen. Im Continental residiert der Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrat. Die neuen Macht­haber sind bewaffnet. Im Foyer hatten sie ein Maschinengewehr aufgestellt, „eine vollautomatische Schusswaffe.

Maschinengewehre feuern bei Betätigung des Abzugs so lange Projektile ab, bis der Abzug wieder gelöst, die Munitionszufuhr unterbrochen wird.“ Natürlich beeindruckt ein Maschinengewehr Jungen nicht nur in der Nachkriegszeit. Auch Otto Theodor: „Da ich mich lebhaft für die Beschaffenheit desselben interessierte, erklärte mir der diensthabende Posten, das Gewehr und seine Handhabungen. Bei dieser Gelegenheit kam eine im Gewehr sitzende Patrone zur Entladung und tötete einen Menschen.“ Ein Unbeteiligter, der das Vestibül durchschritt, starb an dieser Schussverletzung. Die Polizei ermittelt. Es kommt zum Prozess. Der Lehrjunge wird freigesprochen. Doch wird ihn dieses Erlebnis prägen. Kaum 18-jährig erschlägt der Knabe aus Geldgier seinen Lover samt dem Vermieterehepaar. Vom Tode begnadigt, stirbt der Mörder 1944 an „Lungentuberkulose“ im Vernichtungslager Lublin. „Auf eine Rücksendung der Urne wurde nicht bestanden.“

Bürohaus Continental

(ehemaliges Hotel)

Bahnhofsstraße 6

09111 Chemnitz


*****

Textquelle

Kotte, Henner: Chemnitz: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.


Bildquelle

Vorschaubild: Saal eines Hotels (Hotel baulich stark verändert), 2015, Urheber: (dwt). via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

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Hotel Continental Chemnitz

Bahnhofsstraße 6
09111 Chemnitz

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