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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde

Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde

Johann Georg Theodor Gräße

Im Jahre 1728 hatten sogenannte Ruthengänger Risse zu Erzgängen in dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt, angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge zu noch mehrerer Gewissheit erschürfen zu lassen, man fing Röschen (d. i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufe) an, man trieb einen Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich Niemand, der bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen wollte. Nun war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau, dem man schon längst Schuld gegeben hatte, dass er gegossene Arbeit von einem Metalle verfertige, welches dem Silber gleichkomme. Er leugnete dies aber und wollte niemals zugestehen, dass er das Metall kenne, welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, was er schmelze, und gestand, dass er Stücken von dem im Theesenwalde am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter gerade wissen. Der Künstler musste sich also entschließen mitzugehen, um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wunderstein etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen und Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht wurde, hielt dieses Produkt 128 Loth Silber und 60 Pfd. Gaarkupfer. Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise ein Loth gegeben. Tages darauf mutete der Richter unverzüglich und zwar gleich geviert Feld: in wenig Tagen wurde auf 20 Mutungen beim Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf achtzig und auf sechzig Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf gevierteltes Feld. Wenn man die Rute nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem Gebirge damit hingehen, wohin man wollte: was war also sicherer, als dass das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein musste? Alles lief nun nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein, dass nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner und Gewerken verlangten nun ein Probeschmelzen im Großen und es fand sich ein Schmelzer aus Bayerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerke ihre letzte Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mussten zurücktreten und dem Fremden Alles nach seinem Kopfe einrichten lassen. Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina Fundgrube zu Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge zwar in Fluss, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von den Theesenwälder Gebirgsarten die Catharinaer und Geyerischen Kiese für sich allein geschmelzt worden wären. Dabei war auf einige Zeit das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch ein Maler aus Bilin in Böhmen fand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute machen wollte. Er verlangte die Erlaubniss zum Anlegen eines Ofens, man erlaubte es ihm auch, aber Alles ohne Erfolg.
So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum glaublich war, oder ob er, um das Geheimnis seiner Nahrung zu bewahren, dieses Erzgeschrei veranlasst hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte, weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Dies war das Wahrscheinlichste, denn hatte man ja zuerst reiches Silber in dem Gesteine entdeckt.

Bildnachweis

Kopfbild: 

Figurka przedstawiająca Ducha Gór, übersetzt „Eine Figur, die den Geist der Berge darstellt.“ Aus Wikipedia, gemeinfrei.

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