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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Der Teufelsstein zwischen Priester und Kupsal

Der Teufelsstein zwischen Priester und Kupsal

Der Dämon. Gemälde von Vitrail Florac.
Der Dämon. Gemälde von Vitrail Florac.

Zwei Schritte nördlich des Fahrweges von Priester nach Kupsal, welche das Filial von Hohenlema bilden, lag einst auf Löfflers, später Kochs Felde ein großer Stein, vergleichbar einem unförmigen Riesenkuchen von etwa sieben Metern Umfang und einer Höhe von 35 bis 40 Zentimetern. Oben auf dem Stein konnte man vom Wege aus auch einige vertiefte Eindrücke erkennen, es sah aus, als hätten Riesen?nger von der Dicke eines mittleren Baumastes eingegriffen.

Als der Teufel, verärgert durch die Zunahme des Christentums, die ihm in einer Walpurgisnacht von seinen Untergebenen überall her gemeldet war, vom Blocksberge einen Riesenschritt bis auf den Lauterberg, den späteren Petersberg‚ getan hatte, um zu sehen, wie es in dessen Umgegend mit seiner Herrschaft stünde, erblickte er in der Ferne südöstlich eine neu erbaute, hohe Kirche. Ergrimmt brach er in die Worte aus: „Welche Macht hat dir die Augen und Ohren verschlossen, dass ich davon nichts sah und hörte? Der Ort heißt Hohenleina. Na warte, Hohenleina!"

Er ergriff einen Stein, groß genug, um Mauern zu zertrümmern. Er erweichte ihn durch seine Teufelskünste, so dass seine Riesenfinger hineingreifen konnten. Dann zielte er und warf den Stein auf die Entfernung von zehn Wegstunden mit einem Riesenwurf nach der Kirche.

St. Laurentius mit den Attributen des Rostes, auf dem er zu Tode gequält wurde, und der Märtyrerpalme. Gemälde von Spinello Arentino.
St. Laurentius mit den Attributen des Rostes, auf dem er zu Tode gequält wurde, und der Märtyrerpalme. Gemälde von Spinello Arentino.

Doch die Kirche hatte bereits ihre Weihe empfangen, und der Stein flog als unschädlich zwischen den zwei Spitzen, mit denen der Turm zur Zierde ausgebaut war, hindurch, um dreiviertel Stunden weiter vor Kupsal liegen zu bleiben.

Ehe ein zweiter Wurf übernaupt erfolgen konnte, schwebte hoch über dem Haupte des Steinwerfers ein großes und dichtes Gewölk, und aus ihm trat in Riesengröße der Schutzpatron der Kirche, der heilige Laurentius, hervor. Seine rechte Hand führte das deutliche Abbild dessen, dem die Kirche dienen sollte.

Entsetzen erfasste den teuflischen Frevler. Flugs fuhr er ab zur Tiefe. Alle die Steine gleicher Art aber, die er zu weiteren Angriffen schon losgebrockt hatte, prasselten ihm nach. Ja mehr noch: Die eigentümliche Bezauberung, die er seinem Material verliehen hatte, unfehlbar das Ziel zu treffen, suchte nun für versagten Dienst den eignen Meister.

Der Stein aber lag als Teufelsstein an seiner Stelle durch viele Jahrhunderte, bis er gesprengt und im Höppnerschen Gute zu Priester verbaut wurde.

Quelle: Heimatkalender für die Muldenkreise Bitterfeld und Delitzsch, Jahrgang 1930.
Bilder via Wikimedia Commons.

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