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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Dr Geenij von Hans Reimann

Dr Geenij von Hans Reimann

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Friedrich August III. um 1914
Friedrich August III. um 1914

Hans Reimann, eigentlich Albert Johannes Reimann, wurde am 18.11.1889 in Leipzig geboren und wuchs dort auf. Berühmt wurde der humoristische Schriftsteller und Drehbuchautor als Mitverfasser des Romans Die Feuerzangenbowle(1931), der später verfilmt wurde. Sein Name tauchte zunächst nicht auf, ebenso verwendete er für andere Veröffentlichungen verschiedene Pseudonyme, weil er sich bei den Nationalsozialisten nachhaltig unbeliebt gemacht hatte. Der Nachweis ist auf der Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Schriften zu lesen. Als junger Autor wurde Reimann durch seine Auftritte in Kabaretts bekannt, wo er seine Parodien und Anekdoten im sächsischen Dialekt vortrug, auch die über den ehemaligen König Friedrich August III., veröffentlicht in Dr Geenij, Hannover und Leipzig 1923. „Dr Geenij" führte eine Privatklage gegen Reimann, der daraufhin in Breslau verhaftet wurde. Was könnte den vom Thron gestoßenen Monarchen so erbost haben? Gehen wir der Frage in zwei Beispielen nach.

  1. Wie alle Könige hatte auch der letzte amtierende König der Sachsen häufig Denkmale einzuweihen, so auch in Frohburg in Sachsen. Und Reimann schreibt: „...Als der Rummel vorüber war, stiefelte er zum Auto. Zwei ehrenwerte Frohburger gaben ihm das Geleit. August nahm im Plafonds des Automobiles Platz und gedachte zu entfleuchen. Doch der Adjutant knuffte ihn in die Seite, er möge doch einige Töne äußern. August druckst und druckst - Resultat: ,Na, Ihr zwee beedn . . .' Ab durch die Mitte."

  2. Richard Wagner wuchs 13 Jahre in Dresden auf. Seine Werke wurden später häufig in der Semperoper aufgeführt und der König kam nicht umhin, Wagner-Opern zu besuchen. Wie schätzte Reimann die Wirkung auf ihn ein? „...Waachnr...Waachnr, wenn von dähm was geschbield werd, das guggjmr immr wiedr gerne an. Da gann ich mich gahr nich sadd dran sähn. Weil se da alle so schwidzn missn. Von dr gleensdn Biggolo-Fleede bis zur greesdn Baß-Bossaune. Das iss ganz famos iss das, wie se da alle middnandr rumwerjn missn. Das gönnich der fauln Blase."

Gestorben ist der Schriftsteller am 13.06.1969 in Schmalenbeck bei Hamburg.

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