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Michael Hametner

Kopfkino
15 Gespräche – Ein Porträt des Malers Hans Aichinger
Reihe Ateliergespräche

Seine Bilder lassen an Fotorealismus denken. Hans Aichinger malt so vollkommen, dass eine Augentäuschung möglich ist. Michael Hametner, der den Künstler über mehrere Monate befragt hat, erfährt, wie wenig der Begriff für Aichinger selbst zutrifft. Er hat dem Künstler Kern- und Leitsätze großer Kollegen vorgelegt, zu denen sich Aichinger zustimmend oder ablehnend ins Verhältnis setzt. So entsteht das Porträt eines der ungewöhnlichsten Maler der Leipziger Kunstszene von heute. Aichinger erzählt über seine Bilder, die er sich ausdenkt, im Fotostudio mit Modellen nachstellt und schließlich in einem Akt von Meditation malt. Was entsteht, ist ein bis in die Details hinein perfekt anmutender Realismus.

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Panzerdenkmal in Chemnitz

Panzerdenkmal in Chemnitz

Henner Kotte

Fort mit den Panzern!

Anlässlich des 30. Jahrestages der Befreiung bekam Karl-Marx-Stadt als „Siegesdenkmal für die Sowjetarmee, die unter schweren Blutopfern zum Sturz des Faschismus am 8. Mai beigetragen hatte“, einen Panzer. Trutzig stand der T-34 auf Beton Ecke Frankenberger/Dresdner Straße und richtete sein Kanonenrohr Richtung Innenstadt. Historisch falsch, denn erst am 26. Mai 1945 waren die amerikanischen Truppen abmarschiert und „das 841. Tschernowetzer Artillerie-Regiment von der 11. Rotbanner Panzerdivision unter Oberstleutnant Boris Troz hatte die Kasernen an der Planitzstraße bezogen“. Bürger kannten Sowjetpanzer vom 17. Juni 1953 und im Zuge des Prager Frühlings. Unmut wurde geäußert, Josef Kneifel schritt zur Tat.

Der Dreher aus dem VEB Erste Maschinenfabrik Karl-Marx-Stadt hatte seinen Protest gegen Politik und Partei stets öffentlich gemacht und wegen „Staatsverleumdung“ im Haldenslebener Knast gesessen. Drei Jahre hatte er geplant und „die Bombe mit einer Ladung von 11,5 Kilogramm selbst gebaut. Im Herbst 1979 war sie fertiggestellt und in der Erdbeersiedlung im nahegelegenen Niederlichtenau versteckt worden.“ Am 9. März 1980 platzierte Kneifel den Sprengstoff und zündete ihn 22 Uhr. Personen sollten nicht zu Schaden kommen: Schneeregen und Fernsehkrimi. Des Panzers linke Umlaufkette ward zerstört, eine 250 Kilogramm schwere Laufrolle flog 50 Meter weit. Kneifel sah seine Tat als ein Symbol gegen den Stalin-Imperialismus. Die Rote Armee kämpfte derzeit in Afghanistan. Strafe: lebenslange Haft. Aus dieser kaufte ihn die BRD 1987 frei.

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Textquelle

Kotte, Henner: Chemnitz: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.


Bildquelle

Vorschaubild: T-34/57, 1941, Urheber: Soviet state agencies via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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