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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Der Kosebruch

Der Kosebruch

Dr. Jürgen Friedel

In der Nähe von Delitzsch nach Schenkenberg zu lag ein kleiner Teich, der ganz früher einmal einen größeren Umfang besessen haben soll. Das war der "Kosebruch". Diesen Namen hatte er daher, daß eine Nixe dort ihren Wohnsitz hatte und die Männer betörte.

Wo das Wasser am tiefsten war, da stand ihr Schloß, erbaut aus tausend und abertausend Lichtstrahlen. Elfen und Nixlein dienten ihr und gaben sorgsam acht, daß kein Unfriede die Schönheit der Wasserheimat störte.

Recht glücklich hätte also die Nixe sein können, hätte spielen können mit den goldenen Sternen, mit dem Mond und der Sonne, die sich im Teiche spiegelten. Aber sie krankte <n einer großen Sehnsucht, die sie kein Glück erleben ließ, sie krankte an der Sehnsucht nach Menschen, mit denen sie kosen wollte.

Oft, wenn der Mond den Weiher glänzen ließ, stieg sie aus dem Wasser. Die Elfen folgten ihr, die Nebelfrauen von der Wiese gesellten sich dazu. Zum Zirpen der Grillen tanzte dann das lustige Völkchen über die Wiesen und das Wasser, huschte durch die Weiden. Nur die Nixe saß still und traurig dabei. Sie lauschte, hinter dem Blattwerk der Weiden verborgen, in die Nacht, ob nicht ein Erlöser ihrer Sehnsucht komme, ob nicht die Schritte eines Menschen nahten.

Weh aber dem Manne, der ihre Schönheit erschaute! Seine Sinne waren verfallen dem Wesen der Nixe. In ihm wuchs Sehnsucht nach Besitz der schönen Wasserfrau. Er fühlte das Locken der Märchenaugen und folgte ihr immer tiefer in die Wasser, fühlte nicht Kühle, hatte nur die Sinns gerichtet auf die schöne Gestalt, bis schließlich die Wellen über ihm zusammenschlugen.

Drunten im Schlosse auf mosigem Lager umfängt ihn die Nixe und verwöhnt ihn mit allem, was sein Herz begehrt, so daß er schnell vergißt, was er zurückgelassen hat. Kommt der Mann aber an den Punkt, da er genug hat und wieder heim will unter die Menschen, findet er den Heimweg nicht. Das Gleisen und Glitzern blendet ihn so, daß er immer wieder in den Armen der Nixe landet. Wer's immer wieder versucht zu fliehen, der verliert die Zuneigung der Nixe, wird verdammt, für sie niedere Arbeit zu verrichten. Knechtschaft ein Leben lang ist dann der Preis für ein kurzes Glück.

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