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Das verlassene Krankenhaus bei Tschernobyl

Nic

Heft, 28 Seiten, 2020 - ab 23 Nov. erhältlich

Die Stadt Prypjat liegt nur 3 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Im hiesigen Krankenhaus wurden unmittelbar nach der Explosion des Atomreaktors die ersten stark verstrahlten Opfer behandelt. Viele von Ihnen sind an der massiven Strahlenbelastung gestorben.

Am 27. April 1986, einen Tag nach der Nuklearkatastrophe, wurde die Prypjat evakuiert. Seither ist die Stadt, wie auch das hier gezeigte Krankenhaus verwaist. 30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Nic führt uns auf einem Rundgang durch verlassene Gänge vorbei an verfallenen OP-Sälen und Behandlungszimmern.

Für alle Fans von Lost Places.

Ab 4 Heften versenden wir versandkostenfrei.

Vegetarische  Apostelgeschichten

Vegetarische Apostelgeschichten

Jörg Albrecht

Links: Karl Wilhelm Diefenbach (Mitte) u. die "Himmelhof-Kommune" 1898, rechts: Gusto Gräser mit Töchterlein Trudel in Dresden 1911
Links: Karl Wilhelm Diefenbach (Mitte) u. die "Himmelhof-Kommune" 1898, rechts: Gusto Gräser mit Töchterlein Trudel in Dresden 1911

 

Ökologisches Bewusstsein, Biolebensmittel und sogar der Vegetarismus sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was aber nicht heißt, dass jeder davon überzeugt ist, wie man an der Kontroverse um den Veggi-Tag erkennen kann.

Noch immer finden hier verbale Glaubenskriege statt - für die Religionswissenschaft ein spannendes Forschungsfeld, weil es neben dem Komplex von Ernährung und Religion historischeZusammenhänge gibt.

Untersucht man die Transformationen alternativer Ernährung ausgehend von der >>naturgemäßen Lebensweise<< der Lebensreformbewegung Ende des 19. Jahrhunderts bis zum >>Bio-Boom<< in der Gegenwart, so geraten dabei religiöse Nonkonformisten in den Blick. Hier stellt sich die Frage, welche Rolle diese bei der Entfaltung kultureller Dynamik spielen können.

Beeinflusst von Rousseauscher Zivilisationskritik, Romantik und Naturheilkunde wurden gesundheitlich orientierte Ernährungs- und Abstinenzempfehlungen, die als Voraussetzungen für körperliches und seelisches Wohl galten, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einem hohen ethischen Anspruch verknüpft. Moralische Vervollkommnung sollte sowohl auf individueller wie auch gesellschaftlicher Ebene erreicht werden. Die >>Selbstreform<< wurde dabei als Voraussetzung und Mittel zur >>Sozialen Reform<< angesehen. Der Vegetarismus rückte immer mehr ins Zentrum und galt schließlich als Erkennungsmerkmal moralisch reglementierter Lebensführung, die auch Bereiche wie Kleidung, Sexualität, Wohnen und Religion betraf.

August Engelhardt (rechts) mit seinem Freund August Bethmann und dessen Braut Anna Schwab auf Kabakon 1906
August Engelhardt (rechts) mit seinem Freund August Bethmann und dessen Braut Anna Schwab auf Kabakon 1906

In dieser religiösen und weltanschaulichen Vielfalt spielten neben Vereinen und Gesellschaften auch eine Reihe von Schwärmern, Nonkonformisten, Einzelkämpfern und Freigeistern eine wichtige Rolle als repräsentative Träger der Ideen und Praktiken. Die radikalsten unter ihnen trugen lange Haare und Bärte, waren in Gewänder aus alten Laken oder sackähnliche Kutten gekleidet und trugen Sandalen, wenn es - wie meistens - nicht möglich war, vollständig nackt und barfuß zu gehen. Natürlich aßen sie kein Fleisch. Sie wählten entweder den Rückzug aus der Welt, um als Eremiten in Wäldern und Höhlen zu leben, oder sie predigten ihren Zeitgenossen als Propheten und Apostel neue Evangelien und forderten sie zur Umkehr auf.

Viele Forderungen dieser Naturpropheten gelten heute als Selbstverständlichkeit. Zur Umkehr scheinen in Anbetracht eines fleischfreien Tags pro Semester in der Mensa der Universität Leipzig nur noch ein paar radikale Bratwurstapostel aufzurufen. Das ist kulturelle Dynamik.

Glossar

 
Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913) predigte als einer der Ersten ein vegetarisches Evangelium und wurde dafür als „Kohlrabiapostel" betitelt.
Er gründete eine Kommune, „Humanitas-- Werkstätte für Wissenschaft, Kunst und Religion", die als Urzelle moderner alternativer Lebensformen gelten kann.

 

Gusto Gräser (1879-1958) war Mitbegründer des in seiner Rezeptionswirkung monumentalen Gesellschaftsexperiments „Monte Verità" bei Ascona, doch war ihm das Projekt nicht radikal genug. So zog er als Wanderprediger im selbstgebauten Wohnwagen durchs Land und verbreitete seine Ansichten durch Vorträge, Flugblätter und Pamphlete, deren Spuren besonders explizit im Werk von Hermann Hesse, der ihn als seinen „Guru" verehrte, auftauchen.

Der „Kokosapostel" August Engelhardt (1875-1919) wurde in jüngster Zeit als tragischer Romanheld in den Werken von Marc Buhl und Christian Kracht wieder entdeckt. Zurückgezogen auf eine einsame Insel in der Südsee gründete er einen „Sonnenorden" und predigte den „Kokovorismus" - die ausschließliche Ernährung von Kokosnüssen.

Allerdings hatte er in seiner ohnehin geringen Anhängerschaft mit einer bedenklich hohen Mortalitätsrate zu kämpfen und seine Diät scheint auch keine Nachfolger gefunden zu haben.

Der Bertuch Verlag dankt der Pressestelle der Universität Leipzig, den Artikel aus dem Journal der Universität Leipzig 3/2012 übernehmen zu dürfen.

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