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Die Türkenkriege im Spiegel sächsischer Biographien (Studien zur Geschichte Ungarns)

Autor: Hans-Joachim Böttcher

Wie Kurfürst Friedrich August I. 1695 und auch beim Feldzug im Folgejahr versuchte einen Erfolg der Gegner zu verhindern, berichtet der Autor in diesem spannenden Buch.. Im Februar 2019 vom „Gabriele Schäfer Verlag“, Herne, herausgebracht, ist dieses Buch das erste überhaupt, in welchem die Geschichte der sächsischen Beteiligung an den sogenannten Türkenkriegen und deren soziologische Folgen für das Land dargelegt wird.

ISBN 978-3-944487-63-2

EUR 19,90

August der Starke zieht in den Krieg nach Ungarn

August der Starke zieht in den Krieg nach Ungarn

Hans-Joachim Böttcher

August der Starke.
August der Starke.

Nachdem Friedrich August I., bekannter als August der Starke, auf Grund des frühen Tod seines Bruders Johann Georg IV., Kurfürst von Sachsen geworden war, richtete er keine vier Wochen später seine Außenpolitik neu aus und schloss am 23. Mai 1694 ein Bündnis mit Österreich. Damit trat er auch der internationalen Allianz gegen Frankreich bei. Nach dem Wunsch Kaiser Leopold I. sollten 1695 die von Sachsen zu stellenden 12 000 Mann für den Abwehrkampf der französischen Aggression dem Oberkommando des militärisch sehr erfolgreichen Feldmarschalls Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden unterstellt werden. Friedrich August, wenngleich kaum militärische Erfahrungen aufweisend, forderte dagegen, dass ihm als standeshöhere Person das Reichsheer am Rhein mit seinen insgesamt 50 000 Mann unterstellt wird. Auch gedachte er den sächsischen Feldmarschall Hans Adam von Schöning, der gerade aus zweijähriger kaiserlicher Haft wegen Konspiration mit Frankreich entlassen worden war, in seinem Stab aufzunehmen. Dagegen hegte der Kaiser, genau wie der mit ihm verbündete König von England, jedoch äußerste Bedenken. Er schickte darum als Gesandten Aloys Graf Harrach nach Dresden, welcher mit Friedrich August einen neuen Vertrag aushandelte, den man am 15. April 1695 unterschrieb. Danach sollte dieser nun für zwei Jahre Oberbefehlshaber des vom Kaiser aufzustellenden Heeres in Ungarn werden. Dafür hatte Sachsen nur 8 000 Mann zu stellen. Deren Verpflegung versprach der Kaiser zu übernehmen, wogegen jedoch die zuvor bewilligten Subsidiengelder um die Hälfte auf 100 000 Taler gekürzt wurden. Von der Sendung von Truppen an den Rhein wurde Sachsen dagegen völlig befreit.

Der englische Gesandtschaftssekretär in den Niederlanden, Mr. Prior, kommentierte den Vertrag schon am 15. April 1695 spöttisch aus Den Haag:

„Die Generalstaaten ... wollen dem Kurfürsten von Sachsen keinen Pass für Durchführung von 300 Flaschen Burgunderwein geben, ob ich gleich ein Memorial zu seinen Gunsten eingereicht gab. Möglichweise bestimmt das den Kurfürsten zu seiner ungarischen Expedition, um Tokayer ohne Pass trinken zu können.“

Sultan Mustafa II.
Sultan Mustafa II.

Nach 1687 war es in der Türkei mit Hilfe Frankreichs zu einer Reorganisation des Staates, aber auch der Armee gekommen, wodurch man dieser neue Schlagkraft verliehen hatte. Dadurch, aber auch da Leopold I. den Großteil der ihm zur Verfügung stehenden Truppen gegen die französische Aggression im Rheingebiet einsetzen musste, vermochten die Türken in den Folgejahren in Nordserbien einige wichtige Festungen zurück erobern.

Im Frühsommer 1695 wurde bekannt, dass der gerade an die Macht gekommene junge, ehrgeizige Sultan Mustafa II. ein großes Heer aufstellen ließ, um die Kriegserfolge der letzten Jahre durch weitere Eroberungen in Siebenbürgen und Ungarn fortzuführen. Das unbedingt zu verhindern sollte die Hauptaufgabe des kleinen Reichsheeres von etwa 50 000 Mann sein, das man den Türken entgegen zu stellen gedachte. Nach den Planungen und Vorgaben des kaiserlichen Hofkriegsrates sollte bei der Kriegsführung allerdings eine alles entscheidende Schlacht unbedingt vermieden werden.

August der Starke zu Pferde.
August der Starke zu Pferde.

Bevor es nach Ungarn losging, hatte Friedrich August I. viel zu erledigen. Er fuhr im April zur Leipziger Messe, um hier reichlich Geschenke für Personen zu erwerben, die er unbedingt bei dem Feldzug in Ungarn um sich haben wollte. Eigentlich hätte er sich das Generalfeldzeugmeister Guido Graf von Starhemberg empfing. Ihren Vorschlägen für die Kriegsführung ließ er sodann durch den ebenfalls anwesendem Heinrich VI. Graf Reuß seine Antwort übermitteln. Die Geburtstagsfeier des jungen römischen Königs Joseph am 26. Juli noch mitfeiernd, reiste Friedrich August endlich am Folgetag, nun recht bescheiden per Post, wenn auch mit zusätzlich 24 Berittenen nach Ungarn ab. Allerdings war er ein Mann der weiterhin auf dem Feldzug ein halbwegs angenehmes Leben zu führen gedachte, weswegen er Unmassen von Wein ins Feldlager transportieren ließ. Niemand, der es sich leisten konnte trank schließlich Wasser, da dieses generell verschmutzt und damit gesundheitsschädlich war. Auch befand sich in seiner Begleitung der Oberzeremonienmeister und „Oberlandwindhetzer“ Ehrenfried von Lüttichau. Er war nicht nur ein mehr als närrischer Kauz, der es verstand seinen Herrn zu unterhalten, sondern auch außerordentlich trinkfest, was Friedrich August vielleicht noch mehr schätzte.

Am 10. August kam er per Schiff bei der Reichsarmee, in deren derzeitigem Lager bei Futak an, über die er nun den Oberbefehl von General Graf Heißler von Heitersheim übernahm. Bald verdichteten sich die Nachrichten, dass das türkische Heer mit etwa 100 000 Mann sowie einer sehr großen Flussflottille im Belgrader Umfeld aufmarschiert war. Anfangs vom Großwesir, dem Janitscharen-Aga und den Großen des türkischen Reiches geführt, erschien schließlich sogar Sultan Mustafa II., nebst seiner Mutter, der sehr einflussreichen Emetullah Sultana und mit einem Teil seines Harems in Belgrad. Da er die Führung der Armee persönlich übernahm, ließ sich davon ausgehen, dass Mustafa, der gerade erst den Thron bestiegen hatte, zur Demonstration seiner Macht eine entscheidende militärische Aktion gegen das von den Habsburgern regierte Ungarn plante.

Wie Kurfürst Friedrich August I. 1695 und auch beim Feldzug im Folgejahr versuchte einen Erfolg der Gegner zu verhindern, berichtet der Autor Hans-Joachim Böttcher in dem spannenden Buch: „Die Türkenkriege im Spiegel sächsischer Biografien“. Im Februar 2019 vom „Gabriele Schäfer Verlag“, Herne, herausgebracht, ist dieses Buch das erste überhaupt, in welchem die Geschichte der sächsischen Beteiligung an den sogenannten Türkenkriegen und deren soziologische Folgen für das Land dargelegt wird.

Bildnachweis

Alle Abb. sind Wikimedia entnommen, sie sind gemeinfrei.

August der Starke ist von Louis de Silvestre (1675–1760) gemalt worden.

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