König Friedrich II. von Preußen hörte bei Tafel einmal erzählen, dass ein Leutnant Lilienborn mit der größten Geläufigkeit Verse aus dem Stegreif machen könne. Der König ließ sich bei der Besichtigung des Regiments den Offizier bezeichnen, ritt die Front hinunter und hielt mit seinem Schimmel vor demselben. Der Offizier gefiel ihm, denn er hatte ein intelligentes Gesicht. Dann fragte der König:
„Heißt Er nicht Lilienborn?“
„Zu Befehl, Majestät!“
„Ich habe gehört, dass Er Verse aus dem Stegreif machen kann. Mach' Er mir doch mal einen Vers auf sich selbst!“ Unverzagt antwortete der Leutnant: „Gott sprach in seiner Zorn: Der Leutnant Lilienborn, Soll hier auf dieser Erden, Nie mehr als Leutnant werden.“ Der König nickte lächelnd und sagte: „Hm, gar nicht übel! Aber hör' Er mal, Lilienborn: In meiner Armee habe ich auch noch mitzureden. Ich ernenne ihn deshalb auf der Stelle zum Hauptmann. Nun mache Er mir mal darauf einen Vers!“ Sogleich sprach der Leutnant: „Das Blatt hat sich gewandt: Hauptmann werd' ich genannt, Doch hätt' ich Equipage, Hätt' ich auch mehr Courage.“ Der König lachte und sagte: „Ei, Er ist ja ein Allerweltskerl, das geht ja wie eine Mühle. Na, die Equipage soll Er auch noch haben. Aber nun höre Er auf mit Dichten, sonst kann ich am Ende seine Wünsche nicht mehr befriedigen.“ Und lachend ritt der König da— von. — Eine „Equipage“ gehörte zur Ausrüstung eines Hauptmann und bezeichnet ursprünglich die edle Ausstattung und Aufmachung eines Fahrgespanns (Kutsche, Pferde, Geschirr und Personal).
Quelle
Insel-Buch „Anekdoten von Friedrich dem Großen“. Leipzig 1940.