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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen

Emanuel Geibel

Schloss Escheberg bei Zierenberg in Hessen.
Schloss Escheberg bei Zierenberg in Hessen.

 

Emanuel Geibel (1815-1884), der in seiner Zeit berühmt und beliebt war, begann das Wanderlied „Der Mai ist gekommen" 1841 oberhalb eines Weges nach Schloss Escheberg zu verfassen, wo der Kammerherr und Mäzen Karl Otto von der Malsburg einen literarischen Zirkel unterhielt. Das Gedicht wurde 1842 in Kassel erstmalig gedruckt. Justus Wilhelm Lyra (1822-1882), der aus Osnabrück stammte, vertonte das Gedicht. In dieser Fassung wird es heute noch gesungen. In Hessen, dort in Osnabrück und Lübeck, wird es am Vorabend des 1. Mai bis heute öffentlich gesungen, ebenso beim Maieinsingen in einigen Universitätsstädten.

                                                                                                          Ursula Brekle 

Bad Muskau, Blick vom Schlossturm. Foto: U. u. H. Drechsel.
Bad Muskau, Blick vom Schlossturm. Foto: U. u. H. Drechsel.

 

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt'!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert;
es gibt so manchen Wein, den nimmer ich probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all-
mein Herz ist wie 'ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr' ich durstig ein:
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lustiger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing' ich dazu.

Und find ich keine Herberg', so lieg' ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde, die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Früh' das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in der Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt.

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