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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Zer Kerwe

Zer Kerwe

Louis Riedel

Heit haben mer de Kerwe, drim sei mer sue frueh,

de Mutter kocht Ludeln und Rindflaasch drzu,

aah Wickelkließ haben mer, vun waazene Mehl,

und Flaasch, wos mer haben miegn, drim sei mer fidel.

 

De Kerwe sell sell kumme vun „Kirchweihfest“ her,

kaa Mensch denkt zer Kerwe eich an de Kerch mehr;

an Essen und Trinken werd heit när gedacht,

gespielt und gesunge, geolbert, gelacht.

 

Acht Tog vur dr Kerwe giehet‘s Hungern drauf ah,

und sei de Kuhng fartig, nooch mach mer uns nah.

‘s is eich be meiner Seel oft net ze sogn,

weller Buhzen neigiehet in enn hungrigen Mogn!

 

Wos braucht mer fer siech und de aagne Leit!

Und wenn nu erscht gar e Herd Fremme ahzeit!

Wenn Kerwegäst kumme, des fraat ann wuehl sehr,

doch genne se wieder, fraat‘s ann oft noch mehr.

 

Zer Kerwe, do geign se und blosen se aah,

und Gunge und Maadle, die schmeißen de Baa,

und ‘s fährt epper net in de Gungen ellaa,

‘s tanzt dr alt Voter mit dr Mutter enn Raa.

 

Wer bei seiner Alten hockt gahraus, gahrei,

zer Kerwe, do schleicht‘r ins Wirtshaus miet nei.

Des sei nooch de schlimmsten, des könnt‘r mr glaabn,

wenn die‘s när derschmeckt haben, die miegn nimmer haam.

 

Zer Kerwe is alt und gung, alles fidel;

und wern de Köpf schwerner, werd manchmol Krackeel.

Des is eich e Lust, do giehet‘s lebhaftig her,

‘s kriegt mancher e Schell miet, ‘r waß net wuher.

 

Drei Tog giehet‘s sue fort, nooch is alles verbei,

nooch essen mer barfessen Erdepfelbrei;

und schmeckt‘r net, denk mer, wie‘s zer Kerwe schie war,

und fraae uns wieder afs kummete Gahr.

Bildnachweis

Kopfbild: Tanzpaare Volkstanz. Urheber: Deutsche Fotothek. Fotografen: Renate und Roger Rössing.

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