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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Haus Rabe – eine Perle

Haus Rabe – eine Perle

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Haus Rabe.
Haus Rabe.

Nach abgeschlossenem Studium der Medizin ließ sich der Arzt Erich Rabe mit seine Frau Erna, geb. Troplowitz, in Zwenkau südlich von Leipzig nieder. Beide arbeiteten in der Landarztpraxis. Erna Rabe stammte aus einer Familie jüdischen Glaubens. 1928 konnten beide ihren Traum verwirklichen: Adolf Rading (1888 - 1957), mit dessen Frau Erna befreundet war, erhielt den Auftrag, als Architekt ein neues, modernes Haus zu planen und zu bauen. Er war Architekt des Neuen Bauens. Im Untergeschoss entstanden die Räume für die Praxisniederlassung, im Mittel- und Obergeschoss die privaten Räume. Es dauerte jedoch zwei Jahre, ehe Rabe die Erlaubnis von den örtlichen Behörden erhielt, mit dem Bau zu beginnen. Im Kern missfiel die moderne Konstruktionsweise, insbesondere an Merkmalen wie das „flache Dach und der cubisch nüchterne Form“. Reaktionäre Kulturpolitiker, auch Staatsbeamte diffamierten das Flachdach als „morgenländisch“ oder „seelenlos“ oder gar als „art- und Rasse fremd“. Das Etikett „jüdischer Kulturbolschewismus“ wurde angehängt. Der Stadtrat Zwenkau verweigerte nach einem Gutachten des Heimatschutzbundes die Genehmigung. Der Bauherr Rabe und der Architekt Rading blieben beharrlich, sie kämpften, und schließlich konnte ab 1930 an einem anderen Standort gebaut werden, heute  Ebertstraße 26, 04442 Zwenkau.

Große Wandkomposition von Oskar Schlemmer.
Große Wandkomposition von Oskar Schlemmer.

Auch bei der Inneneinrichtung und Farbgestaltung der Wohnräume und der Räume der Praxis bekam Rading weitreichende Gestaltungsspielräume. Er vermittelte den Kontakt zu Oskar Schlemmer (1888 - 1943), der 1929 das Bauhaus in Dessau verlassen hatte und dann ebenso wie Rading Professor an der Breslauer Kunstakademie war. Oskar Schlemmer schuf zwei Wandkompositionen im Haus Rabe.

 

Rading entwickelte ein Wohnkonzept um das Herzstück des Hauses, eine, über zwei Stockwerke reichende, zentrale Wohnhalle. Dieses Highlight strahlt durch Großzügigkeit und Weiträumigkeit auf das ganze Haus aus. Durch das einfallende Licht, durch Farben und Farbakzente entstehen einzigartige Lichtstimmungen. Die gesamte Inneneinrichtung, im Originalzustand, ist darauf abgestimmt. Die große Wandkomposition von Oskar Schlemmer verstärkt diese Eindrücke.

In der Broschüre der Kulturstiftung Landkreis Leipzig wird resümiert: „So entstand ein weltweit einmaliges Gesamtkunstwerk, das nach aufwendiger Restaurierung in den Jahren 1995/96 in hervorragendem Zustand ist...Das Haus Rabe hat die...gesellschaftspolitischen Umbrüche seit 1930 unbeschadet überstanden.“

Innenaufnahme.
Innenaufnahme.

Die Lebensumstände der Familie Rabe gestalteten sich in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 sehr schwierig. Erna Rabe, die eigentlich gut vernetzt war, wurde gemieden, zum Beispiel blieben ihre „Kränzchen-Schwestern“ ohne Begründung fern. Die inzwischen geborenen Kinder, Wolfgang, Gabriele und Ulrich, wurden als „Halbjuden“, ein nationalsozialistischer Begriff,stigmatisiert und schikaniert. Erich Rabe blieb standhaft, er weigerte sich, sich von seiner jüdischen Ehefrau scheiden zu lassen. Er hätte seine Frau und seine Kinder der Deportation und dem sicheren Tod ausgeliefert. Rabe wurde dafür aus dem Hartmann-Bund, ein Verband der Ärzte Deutschlands, ausgeschlossen, die Praxis aber blieb geöffnet, weil sie in Kriegszeiten unbedingt gebraucht wurde. Erna Rabe wurde dann doch noch im Februar 1945 nach Theresienstadt verbracht. Sie entging aber dem Schicksal von 14 jüdischen Familienmitgliedern, die deportiert und ermordet worden sind. Als tüchtige Krankenschwester überlebte sie und kehrte nach Kriegsende in ihre Familie zurück. Erich Rabe starb 1965. Die Praxis übernahm die Tochter Dr. Gabriele Schwarzer, geb. Rabe, noch unterstützt von ihrer Mutter, die 1970 starb. Gabriele Schwarzer hat mit großem Verständnis das Haus in der DDR-Zeit behütet und gepflegt. Ihre Praxis konnte sie bis 1994 betreiben, zuletzt mit ihrer Tochter Corinna Schwarzer als Ärztin im Praktikum. Das Haus wurde noch im Jahre 1994 an den Kaufmann und Kunstliebhaber Horst Schmitter verkauft, der es mit großem Aufwand Denkmals gerecht sanieren ließ. 2020 dann ging das Haus in den Besitz der Kulturstiftung Landkreis Leipzig, in die öffentliche Hand über. Es ist damit unter Leitung von Frau Beate Liebing für Besucher geöffnet.

 

Öffnungszeiten

März – Oktober

Fr: 14-17 Uhr

Sa + So: 11-16:30 Uhr

 

November-Februar

Sa + So: 11-16:30 Uhr

 

Das Haus kann nur mit vorheriger Terminreservierung besichtigt werden. Freie Termine und die Reservierungsmöglichkeit finden die BesucherInnen hier: https://haus-rabe.de/besuch/

Im Besuch ist immer eine Führung mit inbegriffen.

 

Das Haus Rabe kann man auch mit Gruppen besucht werden, es gibt u.a. auch die Möglichkeit für Kaffee und Kuchen auf Vorbestellung.

Bildnachweis

Fotos: Florian Reimann, © Kulturstiftung Landkreis Leipzig

Quelle

Haus Rabe

Herausgeber: Kulturstiftung Landkreis Leipzig

Texte: Stephan Bauske, Nina Schreckenbach

2021

 

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