Sachsen Lese

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Sabine Gruber und Ralph Zade
Wiesbaden
Die 99 besonderen Seiten der Stadt
Reiseführer

Hier gibt es gleich zwei Schlösser, eines in der Innenstadt, eines in Biebrich, große und kleine Museen zu Kunst, Geschichte und vielem mehr, eine Spielbank, in der schon Dostojewski sein Geld verlor, eine Villa, in der Brahms eine Symphonie komponierte, eine Kirche, in der Martin Niemöller predigte, und ein Bahnhofsgleis, das für Kaiser Wilhelm II. reserviert war. Landeshauptstadt von Hessen, Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Nassau, Weltkurstadt, Stadt des Historismus, Stadt des Films und Stadt des Kirchenbaus, stets weltoffen – das alles ist Wiesbaden.

Unser Leseangebot
Gedenkstätte Pirna Sonnenschein

Gedenkstätte Pirna Sonnenschein

Henner Kotte

Sogenannte Ballastexistenzen

Die „Monatshefte des rassenpolitischen Amtes der NSDAP“ argumentierten: „60.000 RM kostet der Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, das ist auch dein Geld!“ Die Tötung „psychisch kranker, und mental oder körperlich beeinträchtigter Menschen, war der erste systematisch geplante, staatlich durchgeführte Massenmord des NS-Regimes. In zynischer Verdrehung der ursprünglichen Bedeutung wurde dafür der Begriff ‚Euthanasie‘, was im Griechischen für ‚schöner, leichter Tod‘ stand, verwendet. Der ‚NS-Euthanasie‘ fielen im gesamten Deutschen Reich und Polen über 200.000 Menschen zum Opfer.“ Eine dieser Tötungsanstalten befand sich in Pirna Sonnenstein. Die ehemalige Festung wurde seit 1811 als „Anstalt für potentiell heilbar angesehene Geisteskranke“ genutzt. Ihr reformpsychiatrisches Konzept verursachte guten Ruf und Ausbau. „1928 wurde Hermann Paul Nitsche zum Direktor der auf über 700 Patienten angewachsenen ‚Heilanstalt Sonnenstein‘ berufen.

Mit seinem Amtsantritt begann die systematische Ausgrenzung der chronisch psychisch Kranken. Als Befürworter der ‚Rassenhygiene‘ und ‚Euthanasie‘ setzte er Zwangssterilisationen, fragwürdige ‚Zwangsheilbehandlungen‘ und ‚Verpflegungssparrationierungen‘ gegen ‚erbkranke‘ Patienten durch.“ Offiziell wurde die Anstalt 1939 geschlossen, hinter den Mauern wurden Gaskammer und Krematorium installiert. Tausende kamen zu Tode. 1942 verwischte man die Spuren. Der „Dresdner Ärzteprozess“ verhängte 1947 für Leiter und Pfleger Todesurteile. Eine Gedenkspur bunter Kreuze verbindet Pirna mit dem Ort der NS-Verbrechen.


Adresse und Kontakt

Schloßpark 11

01796 Pirna

Tel.: 03501 / 710960

https://www.stsg.de/cms/pirna/startseite


Öffnungzeiten

Mo - Fr: 9:00 bis 16:00 Uhr

Sa/So: 11:00 bis 17:00 Uhr

*****

Textquelle:

Kotte, Henner: Sächsische Schweiz: Die 99 besonderen Seiten der Region Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016.

Bildquelle:

Vorschaubild: Schloss Sonnenstein Haus C16 als Gedenkstätte (2005), Urheber: Muu-karhu via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Von Juni 2010 bis August 2011 erinnerte das in der Grohmannstraße aufgestellte Denkmal der grauen Busse an die Sonnensteiner Euthanasie-Opfer, 2014, Urheber: Elke Wetzig via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.


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